Kebab Connection

Deutschland 2004. - 96 Min. - Farbe - Hofer Filmtage - Regie: Anno Saul. Buch: Fatih Akih, Ruth Thoma, Jan Berger, Anno Saul. Mit Denis Moschitto, Nora Tschirner, Sibel Kekilli u.a.
Szenenbild Seit dem enormen Erfolg von Fatih Akins "Gegen die Wand" sind deutsch-türkische Culture-Clash-Geschichten in. Auch in "Kebab Connection" hat Akin wieder seine Finger im Spiel: Er schrieb am Drehbuch mit. Im Gegensatz zu seinem hochdramatischen Erfolgsfilm handelt es sich hier jedoch um eine waschechte Komödie für die ganze Familie mit einem gut aufgelegten Schauspieler-Ensemble und witzigen Dialogen.

Mehr über den Film

Ibo, kreativ-chaotischer Türke aus dem Hamburger Schanzenviertel, vergöttert Bruce Lee und möchte in die Geschichte als Schöpfer des ersten deutschen Kung-Fu-Films eingehen. Da er aber bei allen Produzenten, bei denen er vorstellig wird, auf Skepsis stößt, dreht er zur Übung er erst einmal einen Werbespot für die dahinsiechende Dönerbude seines Onkels Ahmet. Zwar findet der Spot bei seinem Onkel keine Gnade, dafür wird er aber in ganz Hamburg zu einem Riesenerfolg. Bald wird Ibo als neuer Steven Spielberg gefeiert.

Dessen Höhenflug hat aber bald ein jähes Ende. Seine deutsche Freundin Titzi eröffnet ihm, dass sie schwanger ist und als er nicht so enthusiastisch reagiert, wie sie das erhofft hat, setzt sie ihn kurzerhand vor die Tür. Und auch sein Vater Mehmet ist entsetzt, hat er ihm doch seit seiner Kindheit eingeschärft: "Du darfst mit einem deutschen Mädchen ausgehen, tanzen, auch Liebe machen, aber es niemals niemals niemals schwängern". Als er auch zuhause rausfliegt, ist es mit Ibos Kreativität vorbei. Er verfällt in Lethargie, sein zweiter Werbefilm wird zur Katastrophe und er will eigentlich nur noch eins: Titzi zurückerobern und am liebsten seien Vater gleich mit.

Doch der Weg dahin ist weit. Mit spitzen Fingern übt er Kinderwagen schieben, mit gerümpfter Nase wagt er sich an die vollen Windeln der Tochter eines Freundes. Wäre doch gelacht, wenn sich ein gestandener Mann von Kinderkacke unterkriegen lassen würde. Doch bis er Titzi davon überzeugen kann, in ihrem Leben wieder die Nummer Eins zu sein, vergehen noch etliche für den Zuschauer überaus vergnügliche Filmminuten.

Der deutsche Regisseur Anno Saul hat seine Komödie mit viel Lokalkolorit aus dem Hamburger Schanzenviertel und witzigen Filmzitaten authentisch umgesetzt. Für letztere - etwa die Nachstellung der berühmten Treppenszene in Eisensteins "Panzerkreuzer Potemkin" - erhielt er sogar Szenenapplaus bei der Premiere des Film auf den letzten Hofer Filmtagen. Mit kleinem Budget und in extrem kurzer Drehzeit ist es ihm gelungen, eine ebenso einfache wie deutliche Botschaft herüber zu bringen: das gegenseitige Verständnis zwischen den Kulturen und Generationen ist möglich, wenn man sich Mensch zu Mensch begegnet. -Anne Wotschke-