Lichter

Deutschland 2002 - 105 Min. - Farbe - Bundesfilmpreis 2003 - Regie: Hans Christian Schmid. Mit August Diehl, Julia Krynke, Sebastian Urzendowsky, Herbert Knaup, Henry Hübchen, Zbigniew Zamachowski u.a.
Szene aus dem FilmFür die einen ist sie das Ende der Welt, für die anderen der Aufbruch in ein neues Leben: die Oder. Hier begegnen sich die unterschiedlichsten Menschen auf der Suche nach Glück, nach Geborgenheit und nach ihrem Platz im Leben.

Regisseur Hans-Christian Schmid (23, Crazy) drehte mit einem fantastischen Schauspielerensemble einen bewegenden und aufrüttelnden Film, der mit rauer Poesie und berührendem Feingefühl emotionale, zutiefst menschliche Geschichten erzählt.

Mehr über den Film

Im Jubel um Wolfgang Beckers Überraschungserfolg Good Bye Lenin hatte es Hans Christian Schmids "Lichter" schwer bei der Verleihung der Bundesfilmpreise, adäquat wahrgenommen zu werden. Dennoch waren nicht wenige Kritiker der Ansicht, hier den wahrhaftigeren Film über die derzeitigen west-östliche Befindlichkeiten gesehen zu haben. "Lichter" verknüpft geschickt das Schicksal von 18 Personen, die an der deutsch-polnischen Grenze aufeinandertreffen. Dort, wo scheinbar nur die Oder die Stadt Frankfurt und den polnischen Ort Slubice trennt, treffen in Wirklichkeit zwei Welten aufeinander: die Welt des (scheinbaren Wohlstands) und der Neonlichter und die Welt der Armut und des Hoffens auf ein besseres Leben.

Eine Gruppe ukrainischer Flüchtlinge will sich von einem Schlepper in den Goldenen Westen bringen lassen. Doch der legt sie herein und überlässt sie kurz vor der Grenze in Slubice ihrem Schicksal. Ihr Versuch, es auf eigene Faust zu schaffen, wird zum lebensgefährlichem Unternehmen. Der Pole Antoni schlägt sich in dem kleinen Grenzstädtchen mit Frau und Tochter mehr schlecht als recht durchs Leben. Als das traditionelle Kommunionskleid der Tochter fällig wird, stößt die kleine Familie schnell an ihre finanziellen Grenzen. Auf der anderen Seite der Oder, in Frankfurt, versucht Ingo sein Glück in der Selbständigkeit. Er will nicht wahr haben, dass sein Matratzenladen trotz aller Anstrengungen zum Scheitern verurteilt ist. Die junge Sonja hingegen arbeitet als Übersetzerin beim Bundesgrenzschutz. Als dort dem Ukrainer Kolja die Abschiebung droht, entschließt sie sich zum ersten Mal, jemandem zur Flucht zu verhelfen.

Mit genauem Blick fürs Detail beobachtet die Handkamera 48 Stunden lang die liebevoll gezeichneten Figuren, die ständig in Bewegung sind, ohne vom Fleck zu kommen. Sie stehlen und betrügen, helfen und lieben, hoffen und verzweifeln. Bei all ihren Bemühungen, im Leben voran zu kommen, verpassen sie ihre Chance auf Liebe und Zuneigung. Inspiriert wurde Schmid durch die Lektüre von T.C. Boyles Roman "America", der die Verhältnisse an der amerikanisch-mexikanischen Grenze zum Inhalt hat. "Auch in Frankfurt an der Oder zieht die EU eine Mauer hoch, hinter der sich der wohlhabende Westen verschanzt. Es wäre schön, wenn es mir mit "Lichter" gelänge, solche Abwehrhaltungen in Frage zu stellen", so Schmid zur Intention seines Films. - Anne Wotschke -