Affären a la Carte(Le Code a changé ) Frankreich 2009 – 100 Min. – Farbe – Regie: Danièle Thompson. Mit Karin Viard, Dany Boon, Marina Fois, Patrick Bruel, Emmanuelle Seigner, Christopher Thompson, Marina Hands u.a. Bisweilen haftet dem Genre Boulevardkomödie ein recht oberflächlicher Charakter an. Dies muss aber nicht sein, wie Danièle Thompsons neuester Streich beweist. Nach "Ein perfekter Platz" bietet die Filmemacherin erneut Unterhaltung auf höchstem Niveau, bei der auch mit bittersüßen Momenten nicht gegeizt wird. In AFFÄREN A LA CARTE trifft eine Gruppe höchst unterschiedlicher Charaktere aufeinander, die ihren Vorstellungen von der Liebe, den Menschen und dem Leben freien Lauf lassen. zurück | Mehr darüberParis am 21. Juni. Auf den Straßen tobt das Fest der Musik, mit dem der Sommeranfang gefeiert wird, die Atmosphäre ist elektrisierend, der Verkehr jedoch ein Gräuel. Inmitten dieses stockenden Korsos sind Lucas und seine gelangweilte Frau Sarah unterwegs. Sie befinden sich auf dem Weg zu einem Abendessen, streiten, beschimpfen sich gegenseitig und landen schließlich doch noch bei ihren Gastgebern Piotr und ML. Diese will Lucas mit seinem Höflichkeitsbesuch überzeugen, in seine Anwaltskanzlei einzusteigen.Die illustre Runde hat aber noch weitere Gäste, wie etwa ML’s Schwester Juliette, die ein Faible für ältere Männer hat und mit Erwann direkt einen im Schlepptau hat, das Doktorenpaar, Alain und Mélanie, er Onkologe sie Gynäkologin, die Flamencolehrerin Manuela, die von einer eigenen Bar träumt und der aufgedrehte Junggeselle Jean–Louis, der immer während Spitzfindigkeiten von sich gibt. Bei Käse und Rotwein dann lösen sich die Zungen, kommt es zu unvorhergesehenen Geständnissen, unterschwelligen Bösartigkeiten und zur Begleichung offener Rechnungen. Im Gegensatz zu den Protagonisten, darf der Zuschauer dabei immer wieder einen Blick hinter die Kulissen werfen. So bekommt das ironische Jonglieren mit dem Thema Liebe, bei dem nach Herzenslust gelacht werden darf, dann auch seine richtige Würze. Drei Jahre nach ihrem letzten Erfolg, fügt Danièle Thompson wieder ein großartiges Ensemble zusammen, für einen Film der sich Bestnoten verdient. Die Figuren, die zu Beginn vielleicht noch etwas holzschnittartig daher kommen, entwickeln mit jeder Filmminute neue Facetten und lassen somit echte Persönlichkeiten entstehen. Dies ist zum einem dem sehr changierten Drehbuch und zum anderen dessen Interpretation durch die vorzüglichen Schauspieler zu verdanken. Allen voran Ulknudel Dany Boon ("Willkommen bei den Sch’tis"), der hier in einer fast schon dramatischen Rolle überzeugt und auch Patrick Bruel ("Ein Geheimnis") weiß zu überzeugen. Seine Darstellung des Onkologen Alain entwickelt in einzelnen Szenen eine dermaßen bewegende Kraft, dass man sich ihr kaum entziehen kann. Allein in seinen Blicken erkennt man die ungebrochene Liebe zu seiner Frau Mélanie, das Mitgefühl, das er seinen todgeweihten Patienten entgegenbringt, aber auch die Suche nach Trost, die er in Gesellschaft als wunderbarer Entertainer zu überspielen versteht. In diesen Momenten lässt sich natürlich auch das feine Gespür der Regisseurin ausmachen, die mit sicherer Hand ein bestechendes Timing, von emotional ergreifenden Momenten bis hin zu den komischen, beweist. In Journalistenkreisen nennt man dies eine runde Sache, doch AFFÄREN A LA CARTE ist weit mehr, nämlich großartige Unterhaltung mit Anspruch. |