Auguste Rodin

(Rodin) Frankreich 2017 – 119 Min. - Cannes 2016 - Regie: Jacques Doillon. Mit Vincent Lindon, Izia Higelin, Severine Caneele, Bernard Verley, Anders Danielsen Lie, Olivier Cadiot u.a.
AugusteMit Auguste Rodin, einem der Großkünstler Frankreichs, beschäftigt sich Jacques Doillon in seinem biographischen Film, der einsetzt, als der Bildhauer schon fast im Zenit seines Erfolges angekommen ist. Ebenso wie seine Beziehung zu Camille Claudel, doch auch diese Amour Fou ist nur ein Aspekt eines mäandernden, wuchernden Film, der versucht, die Fesseln der Konventionen seines Genres abzulegen.

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1880. Mit 40 Jahren ist der Bildhauer Auguste Rodin (Vincent Lindon) schon nicht mehr jung, hat viel erreicht, doch der Sprung in die höchsten Sphären der französischen Kunst steht noch vor ihm. Nun scheint der Zeitpunkt gekommen, der Staat hat ihm den prestigeträchtigen Auftrag erteilt, das Portal für ein neues Museum zu entwerfen, das später als Höllentor zum Hauptwerk des Künstlers werden wird. Doch der auf der Göttlichen Komödie Dantes basierende Entwurf braucht seine Zeit, Rodin entwirft und verwirft, experimentiert mit Formen und Figuren, arbeitet an unzähligen anderen Projekten und hat dennoch viel Zeit für die Frauen. Zahlreiche Modelle stehen ihm zur Verfügung, die er in anstrengende Posen drängt und oft nach getaner Arbeit - oder davor - mit ins Bett nimmt. Dabei ist es in dieser Phase seines Lebens vor allem seine Schülerin Camille Claudel (Izia Higelin), die ihn interessiert, die ihn inspiriert und beflügelt. Von seiner langjährigen Lebensgefährtin Rose Beuret (Severine Caneele) mit der er auch einen Sohn hat, wird er sich für Claudel allerdings nicht trennen.

Reicht es für einen biographischen Film aus, Leben und Werk eines berühmten Menschen zu schildern, Erfolge und Misserfolge, Triumph und Scheitern abzubilden? Gerade amerikanische Biopics neigen dazu, die in ihnen porträtierten, mehr oder weniger berühmten Menschen zu psychologisieren, ihr Leben anhand von einem markanten, meist in der Kindheit erlittenen Ereignissen, aus aufzuziehen und zu analysieren. Eine Möglichkeit ist das, die jedoch oft zu erheblichen Abweichungen von Film und Realität führt, denn die meisten Leben passen nicht genau zur Dramaturgie eines Spielfilms. Jacques Doillon wählt für seinen Film über Rodin einen anderen Ansatz. Aus der Arbeit an einer Dokumentation über den Bildhauer entstand dieses Spielfilmprojekt, was manches über den Blick erzählt, dem Doillon folgt. Zwar spart auch er nicht an markanten, bekannten Momenten aus Rodins Leben, lässt berühmte Künstler-Kollegen wie Monet, Hugo, Rilke oder Cézanne auftreten, doch was ihn in erster Linie zu interessieren scheint, ist der Prozess der Arbeit. Das wichtigste Material, so heißt es einmal aus dem Munde Rodin, ist der Lehm, also eigentlich nur die Grundform einer Skulptur, die dann gegossen wird. Doch dieses scheinbar einfachste, billigste Material ist auch das formbarste, das physischste, das mit bloßen Händen geformt wird und dadurch - zumindest durch die Kunst Rodins - in eine Form gebracht werden kann, die der Lebendigkeit der Natur entspricht. Immer wieder sieht man dann auch Rodin fühlen, fahren seine Hände über Steine oder Äste, natürlich auch über Körper, scheint er mit den Händen die Lebendigkeit, das Wesen der Objekte zu erspüren und dies in seine Skulpturen übertragen zu wollen. Spannend zu beobachten ist dieser Schaffensprozess, der oft fast dokumentarisch wirkt.