Bedways

Deutschland 2010 – 76 Min. – Farbe – Regie: RP Kahl. Mit Miriam Mayet, Matthias Faust, Lana Cooper u.a.
BedwaysProvokativ, philosophisch, erotisch – "Berlin Calling"–Protagonist RP Kahl entwirft die Schöpfungsgeschichte eines Experimentalfilms über Intimität. Dabei verlieren sich dessen Regisseurin und ihre Darsteller bei den Probeaufnahmen zunehmend in ihren eigenen sexuellen Verstrickungen. "Bedways" ist eine gewagte und gelungene Reflexion über die Lust am Schauen und die (Un–) Möglichkeit Nähe durch Bilder zu evozieren.

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Ein heruntergekommenes Apartment irgendwo in Berlin. Die charismatisch–kühle Regisseurin Nina (Miriam Mayet) verfolgt ein unkonventionelles Filmprojekt, dessen Sinn und Zweck sie ihrem Produzenten nicht erklären kann, weil sie ihn selbst nicht kennt. Es soll echter Sex darin gezeigt werden, aber ohne pornographisch zu sein. Nina ist eine Suchende, getrieben von dem Wunsch wahre Intimität zu erzeugen und zu zeigen. Ihren beiden Protagonisten Hans (Matthias Faust) und Marie (Lana Cooper) verlangt sie dabei einiges ab.

In endlosen Improvisationsaufnahmen dirigiert sie die Schauspieler wie Marionetten, drapiert ihre Gliedmaße, gibt seltsame Anordnungen. Sie sollen nicht sich selbst spielen, aber auch niemand anderen. Dabei offenbart sich schon bald eine besondere Spannung zwischen Nina und Hans, die sich von einer früheren Begegnung her kennen, welche damals ins Leere lief. Doch auch zwischen ihr und Marie entwickeln sich erotische Momente. Mehr und mehr verschwimmen die Grenzen zwischen Film und Realität. In einem Berliner Nachtclub kommt es schließlich zu einer aufgeladenen Begegnung, die die Zukunft des Projekts endgültig in Frage stellt...

In eindringlichen Bildern und begleitet von einem mitreißenden Soundtrack gelingt es RP Kahl ein Stück des Lebensgefühls einzufangen, welches sich als die "Berliner Szene" versteht. Besonders hervorzuheben ist dabei die Leistung der Schauspieler, allen voran Miriam Mayet, die mit ihrer ungeheuren Leinwandpräsenz, dem Film besondere Intensität verleiht. Bei allem Expliziten wird "Bedways" niemals ordinär oder plump, sondern ist ein glaubwürdiger Diskurs über Intimität und das Scheitern von Kommunikation. Die Kälte des winterlich verschneiten Berlins dringt spürbar in die Räume, in denen die Protagonisten vergeblich versuchen eine Beziehung zueinander zu finden. Jeder Versuch auf den anderen zuzugehen scheint zum Scheitern verurteilt, endet in einer abrupten Verletzung. Die wahre Motivation bleibt verborgen, wird zurückgehalten, um keine Angriffsfläche zu bieten.

Vielleicht kann die sprachlose Nähe der Sexualität auch als ein Versuch gesehen werden, eine gefahrlose Verbindung herzustellen, in der man so wenig wie möglich von sich preisgeben muss, und dennoch einen kurzen Moment der Vertrautheit erreicht. Eben dieser schmale Grat fasziniert Nina und veranlasst sie immer weiter zu experimentieren. Passenderweise schließt der Film mit einem Zitat von Michel Foucault aus seinem Werk "Sexualität und Wahrheit". Darin bezieht er sich auf einen Roman des französischen Aufklärers Diderot, "Les bijoux indiscrets", in dem ein Sultan mit Hilfe eines magischen Ringes die Geschlechtsteile seiner Hofdamen zum Erzählen bringen kann, wenn er ihn auf sie richtet, und dadurch die Wahrheit über die hofinternen Beziehungen erfährt.

In "Bedways" ist die Kamera das unerbittliche Medium der Wahrheitssuche, der Annäherung, aber auch des immer währenden Wunsches das Mysterium des Sexuellen durch Sprache und Bilder zu materialisieren und zu kontrollieren.

Silvia Bahl