The Boss of it all(Direktøren for det hele) Dänemark / Schweden / Island / Italien / Frankreich / Norwegen / Finnland / Deutschland 2006 – 100 Min. – Farbe – Regie: Lars von Trier – Mit Jens Albinus, Peter Gantzler, Iben Hjejle, Jean–Marc Barr u.a. Seine ganz eigenen Gedanken auf die durch die Globalisierung sich verändernde Wirtschafts– und Arbeitswelt macht sich Lars von Trier in dieser skurrilen Komödie. Sein Protagonist Ravn besitzt eine kleine erfolgreiche IT–Firma, pflegt ein gutes Verhältnis zu seinen Angestellten, doch deren Boss will er nicht sein. Den erfindet er kurzerhand, um nicht für unpopuläre Entscheidungen gerade stehen zu müssen.zurück | Mehr darüber"The Boss of it all" ist also gar nicht real, sondern sitzt in Amerika und erteilt seine Aufträge per Mail an die Belegschaft. Ein solcher ist der Verkauf seiner Firma an isländische Investoren. Doch die lassen sich mit dem virtuellen Chef nicht abspeisen und bestehen darauf, ihn in persona zu Treffen. Ein wahres Dilemma für Ravn, der nun den Schauspieler Kristoffer anheuert, der für eine Woche in seiner Firma den Boss spielen und die Verhandlungen mit den Isländern führen soll. Viel prickelnder ist jedoch die Begegnung mit dem Personal, dass nun erstmals dem vermeintlichen Chef gegenübersteht. Bald schon machen sich allerlei Emotionen Luft, die man im förmlichen E–Mail–Verkehr unterdrückt hat. Aggressionen, abgöttische Bewunderung und sexuelle Avancen kommen da auf den etwas überforderten Schauspieler zu, der sich in die Theaterlehre eines gewissen Gambini flüchtet, den Trier flugs für diesen Film erfunden hat. So steuert alles auf die Unterzeichnung des Verkaufsvertrages zu, doch Kristoffer hat längst erkannt, dass es hier um mehr geht als um Schauspielerei...Lars von Triers Parabel auf das freie Unternehmertum enthält sicherlich einige autobiografische Züge, die seine Firma Zentropa betreffen. Der heutzutage gern gestellten Frage nach der Verantwortung des Chefs stellt er eine Arbeitgeberwelt gegenüber, die sich arg verwandelt hat. So ist der Boss längst nicht mehr der Souverän früherer Tage, er unterliegt gesetzlichen Bestimmungen, dem Diktat der Gewerkschaften sowie einer globalisierten Handelswelt, die freie unternehmerische Entscheidungen kaum noch zulassen. Letztendlich reiht sich auch von Triers Kamera in diese Parabel ein. Mit seinem neu entwickelten Verfahren Automavision überlässt er die Führung von Kamera, Licht und Ton einem Zufallsgenerator und beraubt so den Regisseur seiner Arbeitsmittel und ersetzt diese durch einen Computer. Schöne neue Welt! |