Drawing Restraint 9

USA/Japan 2005 – 135 Min. – Farbe – OmU – Regie & Buch: Matthew Barney – Musik: Björk. Mit Björk, Matthew Barney, Mayumi Miyata, Shiro Nomura u.a.
DrawingMit DRAWING RESTRAINT 9 kommt nun das jüngste Werk des New Yorker Künstlers Matthew Barney ("The Cremaster Cycle") ins Kino. Visuell betörend, inhaltlich enigmatisch streift Barney eine Vielzahl in seinem Oeuvre bekannter wie zahlreiche neue Themen und Motive und schafft eine faszinierende Welt, die bisweilen einfach, dann wieder schwierig zu entschlüsseln ist.

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Schauplatz des Films ist das tatsächlich existierende japanische Fabrikschiff Nisshin Maru, das Japan seit Jahren unter heftigen Protesten für den Walfang, vorgeblich ausschließlich für wissenschaftliche Zwecke, verwendet. An Deck wird heiße Vaseline (Barneys liebstes organisches Material) in eine gigantische Form gegossen, die das aus dem Cremaster Cycle bekannte Oval mit seitlichen Ausbuchtungen aufnimmt. Unter Deck werden derweil zwei "Besucher aus dem Okzident", gespielt von Barney und seiner Ehefrau, der Sängerin Björk, die auch die Musik für den Film schrieb, durch komplexe Riten geführt, die dem japanischen Schintoismus nachempfunden sind. Nach der Waschung und Rasur, folgt die Ankleide mit traditionellen Kleidern, die hier ganz aus organischem Material bestehen, anschließend eine Teezeremonie und die Hochzeit.

Unterbrochen werden diese beiden, sich in komplexer Weise spiegelnden, wechselseitig kommentierenden Szenen, mit einer dritten Ebene, in der menschenähnliche Kreaturen unter Wasser nach Fischen tauchen. Sie führen zu einem der Hauptthemen des Films: Einer Darstellung des japanischen Walfangs.

Stilistisch hat sich Barney seit den ersten Cremaster– Filmen enorm entwickelt. Filmte er früher aufgrund mangelnder technischer Möglichkeiten meist einfach nur ab, erzeugt er nun mit fließenden Kamerafahrten eine hypnotische Atmosphäre, die die oft so bizarren Bilder noch untermalt.

Letztlich entzieht sich ein Werk wie "Drawing Restraint 9", das lose an frühere Installationsarbeiten Barneys anschließt, den Kategorien, mit denen gemeinhin versucht wird, Film "objektiv" zu bewerten. Was man hier mitnimmt, hängt in erster Linie davon ab, was man mitbringt, welche Assoziationen sich jedem Zuschauer selbst auftun, welche Bezüge für Bedeutsam gehalten werden, letztlich, wie willens der Betrachter ist, sich auf die Welt Barneys einzulassen.