Forget about Nick

Deutschland 2017 – 105 Min. – Regie: Margarete von Trotta. Mit Ingrid Bolsø Berdal, Katja Riemann, Lucie Pohl, Susan Duerden, Cosima Shaw, Robert Seeliger u.a.
ForgetZusammen mit der Drehbuchautorin Pamela Katz hat Margarete von Trotta ihre überaus erfolgreichen und hochgelobten Werke „Rosenstraße“ und „Hannah Arendt“ verfasst. Während diese eher von ernster Natur waren, hatten die beiden jetzt offensichtlich Lust auf einen leichteren Stoff. Ihre neue Zusammenarbeit ist eine leichtfüßige Komödie über zwei sehr unterschiedliche Frauen, die sich gemeinsam in der Wohnung ihres Ex arrangieren müssen.

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Jade (Ingrid Bolsø Berdal) ist Ex-Model und betreibt inzwischen eine eigenes Mode-Label. Gerade erst hat sie ihr Ehemann Nick wegen einer Jüngeren verlassen, immerhin kann sie aber laut Ehevertrag weiterhin in dem schicken Loft in New York wohnen bleiben, in dem beide zuletzt zusammen gelebt haben. Was sie nicht ahnt: das gleiche Recht hat Nick auch ihrer bisher in Deutschland lebenden Vorgängerin Maria (Katja Riemann) zugestanden, und die steht nun überraschend vor der Tür, um sich bei ihr einzuquartieren.

Das geht natürlich nicht ohne Probleme vonstatten, treffen hier doch zwei völlig unterschiedliche Charaktere und Lebensstile aufeinander. Während die karriereorientierte Jade, stets schick gestylt im Businesswoman-Look, ihr eigenes Äußeres und die Ausstattung des Lofts dem Geschmack der Mode-Industrie angepasst hat, kommt die rund zehn Jahre ältere Maria wie aus einer anderen Welt daher. Leger gekleidet, praktisch veranlagt und ganz Familienmensch, kann sie weder mit dem Designer-Food, das sie im Kühlschrank vorfindet, noch mit dem edlen Einrichtungsstil ihrer neuen Unterkunft viel anfangen. Reibereien zwischen den beiden Frauen sind vorprogrammiert. Zudem hat Maria noch ganz andere Sorgen. Die promovierte Germanistin, die für die Familie auf eine Karriere verzichtet hat, hat Schwierigkeiten, nun wieder Fuß im Berufsleben zu fassen und erhofft sich von New York neue Chancen. Jade hingegen würde das Apartment gerne verkaufen, um Geld für ihre schlingernde Agentur zu akquirieren. Ein munterer Schlagabtausch beginnt, den Margarethe von Trotta genussvoll inszeniert und mit bissigen Dialogen und absurden Situationen spickt. So wird etwa ein riesiges abstraktes Kunstwerk, das Maria versetzen lässt und von Jade immer wieder zurück geschafft wird, zum Running Gag. Doch je länger die beiden Frauen zusammenleben, stellen sie bei aller Uneinigkeit auch Gemeinsamkeiten fest und merken, dass sie durchaus voneinander lernen können und an Stärke gewinnen, wenn sie an einem Strang ziehen.

Neu gemischt werden die Karten noch einmal, als Maria ihre in Deutschland lebende Tochter Antonia mitsamt Enkelkind nach New York einlädt und sich zwischen Antonia und Jade eine Freundschaft entwickelt. Katja Riemann und Ingrid Bolsø Berdal widmen sich dem Stoff mit Bezügen zur Screwball-Comedy mit viel Spielfreude, Haluk Bilginer als Nick, der nur einen kurzen Gastauftritt hat, bleibt zwar blass, doch das ist sicher nicht ganz unbeabsichtigt in diesem in Englisch gedrehten Werk, das vor allem auf Unterhaltung setzt, aber auch Themen wie Jugendwahn und die schwierige Vereinbarkeit von Familie und Beruf thematisiert.

Anne Wotschke