Das Parfum

Deutschland 2006 – 147 Min. – Farbe – Regie: Tom Tykwer nach dem Buch von Patrick Süskind. Mit Ben Whishaw, Dustin Hoffman, Alan Rickman, Rachel Hurd–Wood u.a.
DasTom Tykwers Verfilmung des Bestsellers von Patrick Süskind ist sicherlich kein leichtes Unterfangen, denn die Sinneseindrücke von Gerüchen in Bilder zu fassen, ist filmisches Neuland. Und wenn ihm dies mit optischen Mitteln auch nicht immer gelingt, so weiß er immer noch mit einer starken Geschichte zu überzeugen.

zurück | Mehr darüber

Jean–Baptiste Grenouilles erster Eindruck von der Welt mag nicht besonders erfreulich gewesen sein, dafür aber intensiv, insbesondere geruchsintensiv. Denn seine Mutter bringt ihn auf einem Pariser Fischmarkt zwischen Fischresten und allerlei anderem Unrat zur Welt, schneidet die Nabelschnur kurzerhand mit dem Messer durch und lässt das Neugeborene einfach liegen, so wie ihre drei letzten Totgeburten. Doch Jean–Baptiste hat anders entschieden, er will leben und so bringt sein erster Schrei seine Mutter an den Galgen.

Wir schreiben das Jahr 1738 und der kleine Junge verbringt seine kurze Kindheit im Waisenhaus von Madame Gaillard. Die anderen Kinder merken schnell, das etwas mit ihm nicht stimmt. Erst spät lernt er sprechen, doch einer seiner Sinne ist von Geburt an besonders ausgeprägt, sein Geruchssinn. Im zarten Alter von 13 Jahren wird Jean–Baptiste an die Gerberei von Grimal verkauft, dessen harte Schule er ebenso duldsam erträgt wie die ätzenden Dämpfe und der fortwährende Gestank, der seinen Kollegen arg zusetzt. Vielmehr versucht er durch Fleiß und Zuverlässigkeit aufzufallen und gewinnt nach einigen Jahren das Vertrauen Grimaldis, der ihn mit auf Verkaufstour nach Paris nimmt. Für Jean–Baptiste ist dies der Einzug ins Paradies. Nicht die vielen ungeahnten Dinge des Lebens der seinerzeit größten Stadt Europas beeindrucken ihn, sondern die Vielfalt der Gerüche, die er bald in Komponenten zu zerlegen lernt und über Entfernungen riechen kann. Beinahe zwangsläufig landet er beim Parfumeur Baldini, der ihn in die geheime Kunst der Parfumherstellung einweiht und von seinem ungeheuren Geruchssinn zu profitieren weiß. Doch Jean–Baptistes Vision ist eine andere. An seiner ersten Begegnung mit einem schönen, jungen Mädchen fasziniert ihn am meisten ihr Geruch und an dem von ihm verursachten Tod der Begehrten betrauert er den verloren gegangenen Sinneseindruck. Fortan interessiert er sich mehr für die Konservierung von Gerüchen als um deren Komposition. Eine Idee, die ihn direkt in das seinerzeitige Mekka der Parfümerie führt, ins südfranzösische Grasse. Die sich zur Manie steigernde Leidenschaft, den Duft der Frauen einzufangen, bekommt erst eine neue Wendung, als es ihm gelingt, diesen in einem ätherischen Öl zu verewigen. Fortan wird er zum Jäger und Sammler, und so wie der Parfumeur die schönsten Rosen köpft, schreckt auch Grenouille nicht davor zurück, für seine Begierde über Leichen zu gehen.

Tom Tykwer hat sich in seiner Verfilmung eng an den Roman gehalten. Und wenn die hier beschriebenen Sinneseindrücke manchmal nur schwer mit Bildern auszudrücken sind, gelingt es ihm mit Hilfe von Otto Sander als Sprecher, das auszudrücken, was das Auge nicht riechen kann. Doch was das Auge zu sehen bekommt ist erste Wahl. Mit atemberaubenden, computergenerierten Aufnahmen läßt Tykwer ein Paris des 18. Jahrhunderts erstehen, wie wir es wohl noch nicht gesehen haben. Die Mondänität der Großstadt steht hier im Kontrast zu seiner endlosen Armut, wie die Bilder der Slums zu den endlosen Blütenfeldern in der südfranzösischen Provinz um Grasse. Doch mit Jean–.Baptiste zieht auch in diese Idylle das Grauen der Großstadt ein, einen Widerspruch, den er mit der Kreation einer einzigartigen Komposition begegnen will.

Kalle Somnitz