Salami AleikumDeutschland 2008 – 106 Min. – Farbe – Regie: Ali Samadi Ahadi. Mit Navid Akhavan, Anna Böger, Wolfgang Stumph, Michael Niavarani, Proschat Madani u.a. Stricken statt schlachten. Das ist die Überlebensstrategie des verträumten Deutsch–Iraners Mohsen, dessen Eltern in Köln eine Metzgerei betreiben. Nun soll er das Traditionsgeschäft weiterführen, doch das ist nicht so einfach, wenn man kein Blut sehen kann. Ein dubioses Angebot führt ihn in die ostdeutsche Einöde, wo er seine wirklich große Liebe kennen lernt. Regisseur Ali Samadi Ahadi (Lost Children) inszeniert den Culture Clash zwischen dem nahen und fernen Osten als knallbunte und flotte Komödie, die durch visuellen Einfallsreichtum und Wortwitz überzeugt.zurück | Mehr darüberSelbst zwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer ist sie in den Köpfen größer denn je. Der Ossi misstraut dem Wessi und umgekehrt und alle haben es sich mit ihren Vorurteilen so richtig bequem gemacht. Wenn man wie der schmächtige Mohsen in einem ostdeutschen Ort wie Oberniederwalde landet, kann eigentlich nur was ganz Schlimmes passieren – oder es wird wie im Falle von SALAMI ALEIKUM richtig lustig.Mohsens Vater ist ein stolzer Mann, seit er vor vielen Jahren mit seiner Frau aus dem Iran geflohen ist und den eigenen Betrieb aufgebaut hat. Nur auf seinen Sohnemann, da ist er gar nicht stolz, denn die Arbeit in der Metzgerei macht Mohsen zu schaffen. Als er eines Tages wieder einmal Schlachtabfälle im Müll der Nachbarschaft entsorgt, erwischt ihn das Ordnungsamt und schließt den Laden. Nun muss Mohsen der neue Chef werden und das gefällt ihm gar nicht. Wie er es immer schon getan hat, strickt er sich den Kummer vom Leib und träumt sich in eine kunterbunte Fantasiewelt á la Bollywood. Als ein wenig vertrauenerweckender Geschäftsmann mit polnischem Akzent auftaucht und ihm eine Ladung Schafe inklusive deren Schlachtung anbietet, greift Mohsen gegen Vaters Willen zu. Nur abholen muss er die lebenden Viecher selbst und hat im tiefen deutschen Osten eine Panne. Von den schrulligen Einwohnern wird er zuerst misstrauisch beäugt, doch das ändert sich schnell, denn Mohsen verliebt sich in die große, blonde und sehr starke Ana, die nach einer hormongesteuerten Karriere als DDR–Kugelstoßerin nun Autos repariert. Mohsen flunkert, um der überzeugten Vegetarierin zu gefallen und behauptet, dass er für einen Textilbetrieb arbeitet. Das wiederum lässt Anas Vater hellhörig werden, der seit Jahren auf Rettung des volkseigenen Betriebes "Textile Freuden" hofft. Der Gastwirt findet es plötzlich gar nicht mehr schlimm, dass seine Tochter mit einem Perser anbandelt ("Wenigstens ist er kein Wessi!") und tut alles um dem Neuankömmling zu gefallen, inklusiver massiver Küchenumstellung (Köfte statt Schweinenierchen) und neu angelernter Sprachkenntnisse. Jetzt heißt es in Oberniederwalde "Salami Aleikum!" Nach der preisgekrönten Dokumentation "Lost Children" über Kindersoldaten in Uganda, begibt sich der aus dem Iran stammende Regisseur Ali Samadi Ahadi auf ein ganz anderes Terrain. In farbenfrohen Cinemascope–Bildern schafft er eine verrückte Welt, die oft näher an der Realität liegt, als es auf den ersten Blick scheint. Auf urkomische und herzliche Weise entblößt Ahadi bestehende Vorurteile und Klischees und lässt im wahrsten Sinne des Wortes die Puppen tanzen. Klamauk, Slapstick und Animationen, sowie orientalische Musikeinlagen wechseln sich in rasantem Tempo ab. Nur selten verlässt man das Kino nach einem Film dermaßen gut gelaunt und mit Freude im Herzen. |