Sand Dollars

(Dólares de arena) Dominikanische Republik, Mexiko, Argentinien 2014 - 84 Min. - Regie: Laura Amelia Guzmán. Mit Geraldine Chaplin, Yanet Mojica, Ricardo Ariel Toribio u.a.
SandAuf dem letzte Woche in Berlin zu Ende gegangenen Festival „In 14 Filmen um die Welt“ war auch „Sand Dollars“, eine Filmperle aus der Dominikanischen Republik zu sehen. Darin spielt Geraldine Chaplin die Hauptrolle, die selbst anwesend war und und mit solch entwaffnendem Charme und ungeheurem Esprit für ihren Film warb, dass wir uns entschlossen ihn spontan ins Programm zu nehmen.

Sie spielt hier die 70-jährige Anne, die ihren Lebensabend allein in einer Villa verbringt. Sie hat sich in die bildhübsche zwanzigjährige Noeli verliebt, die auf den endlosen Stränden des Urlaubsparadieses Sextouristen die Illusion gibt, geliebt zu werden. Doch in Wirklichkeit zockt sie die Männer eiskalt ab. Mit Anne, einer eleganten alten Dame aus Europa, läuft das Spiel anders. Schon seit drei Jahren sind die beiden zusammen und das nicht nur des Geldes wegen. Für ein wenig Aufmerksamkeit springt Anne immer wieder finanziell ein und besorgt Noeli schließlich ein Visum, mit dem der große Traum des Mädchens in Erfüllung gehen könnte.

„Sand Dollars“ erzählt aber nicht nur von dieser Liebesgeschichte, sondern auch von den Lebensumständen, die alle hier vom Weggehen träumen lassen. Mit einfühlsamen Bildern, langen Einstellungen und ausgesprochen leisen Tönen erzählt die Regisseurin von zwei Frauen, die gegensätzlicher nicht sein könnten: Die eine reich, weiß und am Ende ihres Lebens und die andere arm, farbig, jung und wild auf ein Leben, das ihr hier verwehrt bleibt. Das provokante Beziehungsdrama um gegenseitige Ausbeutung unter karibischer Sonne wird von der Dominikanische Republik ins Rennen um den Auslands-Oscar geschickt.

Kalle Somnitz