Valerie

Deutschland 2006 – 85 Min. – Farbe – Regie: Birgit Möller. Mit Agata Buzek, Devid Striesow, Birol Ünel, Ricarda Meßner, Anne Sarah Hartung u.a.
ValerieWas tun, wenn der Glamour verblasst und das Geld knapp wird? Einfach so weitermachen wie bisher, entscheidet Valerie, ein Model, das seine beste Zeit hinter sich hat. Diese Haltung ist nicht nur in Kreisen verbreitet, in denen allein der Schein zählt, sondern spiegelt auch die Stimmung in einem Land wider, das sich auf dem absteigenden Ast wähnt.

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Mit seinen architektonischen Ausrufezeichen und protzigen Fassaden wirkt der Potsdamer Platz in Berlin wie eine Kulisse. Insofern ist er wie gemacht für die Berlinale, die jedes Jahr im Februar Stars und Glamour in die Hauptstadt bringt. Menschen wie Valerie (Agata Buzek) bewegen sich mit großer Selbstverständlichkeit auf diesem Terrain. Das Kulissenhafte ist nichts, was sie verunsichert. Es ist vielmehr der Hintergrund, der ihre Schönheit und Eleganz erst recht zum Vorschein bringt. Valerie, ein Model aus Polen, kommt gerade aus Paris und will Weihnachten in Berlin verbringen. Ihr Auftreten strahlt die Souveränität derer aus, die sich um nichts Sorgen machen müssen. Doch ihre fließenden Bewegungen im Nobelhotel Hyatt sind nur noch professioneller Schein. Die Wahrheit lautet: "Du hattest eine gute Zeit." Mit dieser Aussage in der Vergangenheitsform empfiehlt Valeries Agentin eine berufliche Neuorientierung. Als Model, lässt die Agentin durchblicken, habe die 29–Jährige keine Chance mehr auf dem Markt.

Die Lage ist also ernst, zumal die junge Frau zwar noch über einige Insignien des Reichtums (teure Klamotten, schickes Auto) verfügt, aber praktisch keinen Cent mehr in der Tasche hat. Der Abstieg geht schnell. Statt im Nobelhotel schläft sie in ihrem Auto, und als sie eines Tages kein Kleingeld mehr hat für das Parkticket, nächtigt sie kurzerhand in der Tiefgarage des Hotels. Ohne Geld, den Betriebsstoff des Lebens, lernt das Model Welten kennen, von deren Existenz sie bislang wahrscheinlich keine Ahnung hatte. Dazu zählen runtergerockte Kneipen und die Tristesse von Zweiraumwohnungen in grauen Berliner Siedlungen. Auch nicht schön: Jeder scheint Valeries Notlage zu spüren und ausnutzen zu wollen. Und ihre Freunde aus der Model–Szene gehen auf Distanz, als sei Misserfolg ansteckend. Nur André, ein Wächter im Parkhaus (Devid Striesow), scheint ihr helfen zu wollen.

Regisseurin Birgit Möller hat sich von Fällen moderner Glamour–Obdachlosigkeit in den USA inspirieren lassen und mit Agata Buzek eine Schauspielerin gefunden, die diese Rolle perfekt ausfüllt. Mag sein, dass der polnischen Darstellerin und Tochter eines früheren Premierministers dabei eigene Erfahrungen als Model geholfen haben. Entscheidend ist aber, wie Buzek ihre Figur anlegt: Sie verliert niemals ihre Würde, so peinlich und demütigend die Situationen auch sein mögen, in die sie gerät. Und sie beobachtet ihren eigenen Absturz mit Trauer und Hilflosigkeit, will sich aber nicht unterkriegen lassen. Zweifellos gehört Valerie zu den sympathischeren Vertreterinnen ihrer Branche.