Vorwärts immer!

Deutschland 2017 – 100 Min. - Regie: Franziska Meletzky. Mit Jörg Schüttauf, Josefine Preuß, Jacob Matschenz, Devid Striesow, Marc Benjamin, André Jung u.a.
VorwärtsEine Komödie um die letzten Tage der DDR ist Franziska Meletzkys „Vorwärts Immer!“, eine Verwechslungskomödie inklusive doppeltem Erich, die sich über die Führer des DDR-Regimes lustig macht - mit Witz und Originalität sowie mancher überraschender Wendung.

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Ost-Berlin, Oktober 1989. Während auf den Straßen der Protest gegen das Regime immer lauter wird, finden im Theater die Proben für ein neues Stück statt. Im Mittelpunkt Otto Wolf (Jörg Schüttauf), begnadeter Imitator des Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker, der Gang und Nuscheln des ungeliebten Führers perfekt imitieren kann. Ein Talent, das bald zu unerwartetem Nutzen kommen soll, denn Wolfs Tochter Anne (Josefine Preuß) hält sich an diesem Montag ausgerechnet in Leipzig auf. Nicht, um an der immer größer werdenden Montagsdemonstration teilzunehmen, sondern um mit der Hilfe des jungen Revoluzzers August (Jacob Matschenz) einen West-Pass zu bekommen. Denn Anne will rübermachen, will die DDR hinter sich lassen. Nicht zuletzt weil sie schwanger ist, ausgerechnet von Matti (Marc Benjamin), Sohn des staatstreuen Schauspielers Harry Stein (Devid Striesow), der Ottos größter Konkurrent ist.

Da Honecker in seiner Verzweiflung an diesem Montag chinesische Methoden angeordnet hat - die Demonstrationen mit Panzer und Schießbefehl aufzulösen - sehen die Schauspieler um Wolf nur eine Möglichkeit: Wolf soll in der Rolle Honeckers den Schießbefehl zurücknehmen, doch dafür muss er in das Parteibüro. Und dort läuft ihm auch noch seine Frau Margot über den Weg.

Als Doppelgänger eines Diktators den Lauf der Geschichte ändern. Unweigerlich denkt man da an Chaplins „Der grosse Diktator“, der ebenso wie Lubitschs „Sein oder Nichtsein“ Vorbild für „Vorwärts Immer!“ gewesen sein könnte, zwei große Klassiker also, die mit den Mitteln der Komödie über Diktaturen erzählen. Wobei zumindest Chaplin seinen Film im Nachhinein bereut hat: Im Wissen um die Ausmaße der Verbrechen des Nationalsozialismus hätte er seinen Film nicht gedreht, hat er nach dem Krieg gesagt.

Ohne nun das Nazi und das DDR-Regime vergleichen zu wollen, stellt sich im Laufe von „Vorwärts Immer!“ dennoch ein ums andere Mal die Frage des Umgangs mit einer Diktatur, die enorm viel Leid verursacht hat. Gerade weil die Führungsriege des Regimes, von Honecker über Krenz, von Mielke bis Schabowski, aber auch Stasi-Agenten, die Regimegegner verfolgen, als dümmliche Knallchargen dargestellt werden, die man kaum ernst nehmen kann. Zugegebenermaßen wird hier von der Regie und den Autoren der Klamauk oft in den Mittelpunkt gerückt, doch die hübsche Grundidee lässt darüber gerne augenzwinkernd hinwegsehen. Wo andere Komödien oftmals scheitern, findet „Vorwärts Immer!“ hingegen seine besondere Stärke: Nämlich im großen, sich zuspitzenden Finale, als der falsche Erich auf den Echten trifft! Hier gewinnt der Film durch Absurdität, Witz und Originalität und gerät, nicht zuletzt aufgrund der prächtigen Leistung der Darsteller, denen der Spaß an der Chose deutlich anzumerken ist, zur amüsanten und durchweg sympathischen Satire.